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Friesenlovecoach
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die meistgestelltesten Fragen an mich
Update Oktober 2016
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Ein Querschnitt ist nicht immer gleich Querschnitt
Man ist geneigt, jeden Querschnitt miteinander zu vergleichen.
Obwohl die Läsion z.B. C5/C6 ist und wenn man vergleicht, ist
jeder Querschnitt anders, teils total anders. Die Ärzte haben
es uns eingetrichtert => NIE einen Vergleich machen. Es kommt
auf jeden Millimeter darauf an, WIE die Verletzung innen drin
aussieht und das weiss eh kein Arzt. Bis heute ist eine
Nerven-OP im Rückenmark unmöglich. Es gibt Patienten, welche
mehrfache Brüche hatten, der Spinalkanal (dort wo die Nerven
liegen) aber nicht wirklich verletzt sind. Man spricht hier von
beleidigten Nerven. Diese kommen nach ein paar Wochen/Monaten
wieder. Es gibt auch Quetschungen, wie bei mir, wo die Nerven
zerdrückt werden. Niemand kann voraussagen, was wieder kommt und was nicht. Es kommt auf die
neuen Nervenbahnen wie auf die Vernarbung drauf an. So bleibt
einem nur die Hoffnung und die Zeit, welche für einen arbeitet.
Es gibt auch KEINEN Knopf in der Physio welcher gedrückt werden
kann, damit dies wieder kommt. Sobald aber etwas zurückkommt,
wird dies in der Physio mit eingearbeitet. Nach so langer Zeit
weiss man, es kommt nicht wieder. Man muss schauen, dass man mit
dem was man hat zurechtkommt. Bei mir ist es leider eben mit
allem schlimmer gekommen.
 | Was ist komplett/inkomplett?
Je nach Fachmann wird es verschieden erklärt. Aus
Erstdiagnose in Nottwil:
Inkomplett bedeutet, dass man Fühlen kann und/oder Motorik
hat. 2004 wurde ich als imkomplett diagnostiziert. Doch 2012
ebenfalls in Nottwil meinte eine Aerztin, ich sei komplett.
Ich spüre mich jedoch noch, aber seit meiner Liorésalpumpe
und der Rückenoperation viel weniger. Es gibt Felder, die
weg sind in der Oberfläche.
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 | Hast Du Spastiken?
2014: Nein, seit meiner Implantation im April 2010
der
Liorésalpumpe (Pumpe im Bauchraum links mit dem Rückenmark
verbunden) und auf schlaff eingestellt, habe ich keine
Spastiken mehr. Ich konnte meine Liorésal-Dosis in den
letzten zwei Jahren sehr stark reduzieren von 610 µg/Tag
auf 250 µg/Tag.
2016: ja, ich habe wieder Spastiken. Etwas ist
nicht so schlimm. Es gibt weniger kalte Beine. Meine
jetzige Dosis ist auf 250 µg/Tag
eingestellt.
Wechsel meiner Liorésalpumpe war am 15. November 2016
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 | Was ist Spastik?
Spastik ist der erhöhte Muskeltonus. In meinen Körper/Beinen
zerrten Nonstop Muskeln an mir (fühlte sich an wie ein
Ritterkostüm). Meine Muskeln waren ganz hart und schmerzten. Spastik
verhinderte, dass
ich die guten Bewegungen, welche noch irgendwo vorhanden
waren, ausgeführt werden konnten. Es gab permanent Spannungen in den
Oberschenkeln (dort am meisten) und auf einmal schossen die Beine bei Berührung oder
Bewegung durch den Therapeuten irgendwo hin. So hatte ich
leider früher schon einige Leute "getroffen". Spastik spürte man,
wenn man an den Beinen arbeitete, dass sich die Beine zahnradartig bewegen
liessen und dann auf einmal klemmten
oder zurückschossen. Vor allem am Morgen war es stark.
Die Spastik kann sich noch in einer anderen Form
zeigen. Es sind einschiessende Gewitter in den Nerven.
Genannt Spasmen. Für Sekunden zucken Blitze durch den Körper und lassen den
ganzen Körper erschüttern und beben. Sie können alle paar
Sekunden einschiessen. Vor der OP hatte ich arg damit
gekämpft. Dies hatte ich vor allem
wenn ich einschlafen wollte oder in der ersten Nachthälfte.
Ich versuchte dies auszuschalten, in dem ich mit dem Beinen
versuchte noch mehr ein Päckli zu machen. Strecken ging fast
gar nicht oder wenn, dann Streckspastik rechts. Schlafen war fast unmöglich.
Deshalb schlief ich am Morgen "nach". Zum Glück
muss ich nicht all zu früh aufstehen. Jetzt bin ich sehr
froh die Liorésalpumpe zu haben. Die Spasmen sind sehr viel
weniger geworden und mein Alltag ist viel besser
"erträglich" geworden.
Botoxspritzen (2006-2007): Leider ging es 10-14 Tage bis die Spritzen
halfen
und wirken ca. 8 Wochen. Danach werden nahm die Wirkung
immer mehr ab und die Einschüsse wurden immer stärker. Ich
versuchte es möglichst lange hinauszuzögern. Alle 3 Monate
musste ich mich wieder vom Neurologen erneut mit Botox
behandeln lassen.
Früher konnte das schon dauern, bis ich endlich
katheterisieren konnte und dann die Hosen endlich wieder an
hatte. Die Spastik haben
die Ärzte überhaupt nicht im Griff. Abhilfe dazu geben
Medikamente (Muskelrelaxanzen), Botoxspritzen (2006 bis Ende
2007) in die Oberschenkelmuskeln oder eine Liorésalpumpe
(seit April 2010).
2016: Durch das tiefer Stellen der Liorésalpumpe bin
ich wohl jetzt an einem Tiefpunkt angekommen. Meine Beine
haben sich verändert (von 610.9 auf 250). Immer wieder
kommt es vor, dass das rechte Bein in der
Kniekehle/Oberschenkel Spasmen (können alle paar
Sekunden sein) einschiessen. Das linke Bein (Knie) fühlt
sich elektrisch an. Glücklicherweise nur phasenweise für
Stunden/Tage und nicht durchgehend immer.
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 | Was ist eine Liorésalpumpe
(ITB-Therapie)?
Ich trage seit April 2010 eine Liorésalpumpe Medtronic
SynchroMed II (der Link erklärt die ITB-Therapie
- Intrathekale Baclofen-Therapie) gegen
die Spastik (siehe Blog
Mai 2010), welche mir unter die Haut am Bauch links
implantiert wurde. Es ist eine
"Dose", 8.7cm x 7cm gross, mit einem ca. 89cm!
langen feinen Schlauch ins Rückenmark (Liquorraum) gelegt. Das
Medikament Liorésal (Wirkstoff Baclofen) wird direkt ins Rückenmark
geträufelt. So brauche ich viel weniger Medikamente, habe
wenige Schmerzen, und so kommt das Medikament genau dorthin wo
es hin muss. Ohne Nebenwirkungen, wie lahme Hände/Arme und
Konzentrationsschwierigkeiten. Ohne diese Massnahmen könnte ich mich
nicht mehr bewegen. Der Körper wäre steif zusammengezogen.
Die Pumpe ist gut eingestellt. Ist die Dosis zu
hoch, gibt es andere Probleme wie müde Arme oder fast
keine Stabilisation im Rücken.
Bei der Liorésalpumpe ist es so, dass sie auch nach einer
gewissen Zeit wieder aufgefüllt werden muss. Die
Zeitspanne wird immer länger, je tiefer ich meine Pumpe
einstellen lasse.
Spätestens in einem halben Jahr muss das Medikament raus und
wieder neu aufgefüllt werden. Der Hersteller gibt nur für
diese Zeit eine Garantie.

Die
Programmierung wird von ausserhalb gesteuert und zum
Auffüllen der Pumpe wird eine Schablone mit einer Zielvorrichtung
auf die Pumpe gelegt. Dann kann man mit einer Spritze das
Medikament direkt durch eine Membrane in die Pumpe spritzen,
damit sie wieder aufgefüllt ist. Siehe Fotos vom Blog Juni
2010 und davor.
2014: Seit der Reduzierung des Muskelrelaxans
Liorésal kann ich am Motomed
wieder "Selber-treten-Impulse" aktivieren mit der
Funktion "Servo treten". Die Beine kann ich (noch)
nicht bewegen, die Pedalen zum Treten bringen schon, wenn
sie mit dem Motor in Schwung gebracht worden sind und ich
mich nach vorne beuge.
2015: Schritt für Schritt stelle ich die
Liorésalpumpe tiefer. Es ist Ende März und ich bin
bereits auf 220 µg/Tag unten. Letztes Jahr hatte ich noch
610 µg/Tag und durch die hohe Medikamenteneinstellung viele
Probleme. Ich freue mich über die starke Verbesserung wie
mit meiner Stabilität, ich kann mich wieder viel besser
anziehen oben. Die Spasmen sind rechts unregelmässig zurückgekehrt,
leider.
Ich habe den Tiefpunkt überschritten, ich musste die Dosis
wieder erhöhen.
2016:
250 µg/Tag
- die Batterie neigt sich dem Ende
entgegen, ich muss die gesamte Pumpe tauschen.
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 | Fühlst Du noch was in den Beinen -
Wärme/Kälte?
Ich habe nur noch teils Gefühl bis in die Zehen, wenn auch eine
sehr gestörte Sens (Wahrnehmung, spitz fühlt sich stumpf
an). Gewisse Felder haben Null seit ca. Ende 2009 passiert
(missglückte Rücken-OP, Stelle zusammengebrochen). In den letzten 6 Jahren hat sich mein Gespür
am Körper für
Wärme und Kälte verbessert an gewissen
Körperstellen und auch für Berührungen.
Aber ab L4/L5 wieder verschlechtert, wegen meinem "zweiten
Querschnitt", den ich leider wegen der misslungenen
Rücken-OP erlitten habe.
Das man Kälte/Wärme nicht richtig fühlt ist sehr oft bei
Querschnittgelähmten. Deshalb ist es auch gefährlich,
damit man sich nicht verbrüht, wenn man einen heissen
Teller auf den Knien transportiert (z.Bsp.). Auch hier habe
ich früher schon schmerzhafte Erfahrungen machen müssen mit
"heissem Tee auf die Oberschenkel verschüttet". Ergebnis:
Verbrennung zweiten Grades - heilte sehr langsam. Zuerst hatten die Beine ausgeschlagen und dann bekam ich einen
heftigen Spastikanfall und erst dann hat es mir gebrannt. Es
geht nicht nur mir so, dass wir anders fühlen wie vor dem
Unfall/Krankheit.
Auch ist die Kälte nicht ganz unproblematisch. Mir fehlt
die Fähigkeit zu frieren. Ich spüre gar nicht richtig, wenn
mein
Körper sich abkühlt. Ich fühle mich dann einfach nicht
wohl. Ein Alarmzeichen sind wiederkehrende Spastiken oder
ich bekomme Blasenprobleme. Aber dann erst, wenn das
Problem schon da ist. Also vorausdenken und sich draussen
besonders gut anziehen.
Die letzten Jahre ziehe ich einen beheizten Schlupfsack an.
Selbst auf Teneriffa an der Sonne musste ich diesen "Schlupfi"
anziehen, weil meine Beine trotz Sonne ausgekühlt sind. Ich
gebe mir Mühe in der Nacht die Bettdecke zu
kontrollieren und mich gut einzudecken. Ich mag es, wenn ich
mich mit meinen drei kleinen Heizdecken, zwei auf meinen
Beinen und eines auf meiner Brust wärme. Das tut richtig
gut. In der Klinik aber wollten sie es mir verbieten, weil
sie Angst hatten, ich könnte mich verbrennen daran.
Da ich die Wärme/Hitze nicht so richtig
spüren kann, kann meine Haut sehr überhitzen (gibt dann rote
Flecken oder auch schon mal einen Dekubitus!, weil ich
eingeschlafen bin und auf die Heizdecke draufgelegen bin).
An der Sonne draussen an der Hitze ist es auch schwierig,
weil ich nicht abschwitzen kann, kann mein Körper
Kreislaufschwierigkeiten bekommen. Man muss immer
vorausdenken, was sein könnte und so meinem Körper helfen.
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 | Kannst Du Dich noch bewegen?
Oberkörper ja, Beine nein. Nur die Physiotherapeuten
spüren eine Restmuskelfunktion!
Die Beine sind mit der Liorésalpumpe lahmgelegt. Zur Zeit
rechts Spastik durch sehr tiefe Liorésalpumpeneinstellung
zurückgekehrt.
Aber wenn man die Muskeltätigkeit
weg nimmt, nimmt die Instabilität zu.
Früher hatte ich heftige Streck- und Beugespastik. Die
Knie klebten wie Magnete aneinander und die Füsse
überkreuzten sich.
Seit der Pumpe kann ich meinen ganzen Alltag viel besser
bewältigen. Früher waren die Arm- und Beinbewegungen wie
"gekoppelt". Heute kann ich mich meine Arme bewegen, ohne dass
die Beine gleich mitmachen wollen und umgekehrt.
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 | Kannst Du stehen?
ab OP 2011 - 2014 war es nicht mehr möglich.
2014: ich stehe seit Ende Oktober 2014 wieder. Seit
November 2014 schaffe ich es wieder bis zu 20 Minuten am Stück zu stehen. Das mache ich 2x am
Tag, auch wenn es abends nur ein paar Minuten möglich sind.
=>> Das tut mir
sehr gut und ich habe deutlich weniger Schmerzen seit dem!
(wegen verstärkten Rückenschmerzen musste ich diese
Therapie abbrechen).
2016: Mit dem Schwindel wird es immer besser.
Ich habe weniger und kann länger stehen. Allerdings trifft
das nur auf den Nachmittag zu. Stehen ist wichtig. Die
Fusssohlen sollen "Informationen" bekommen. Ich
kann wieder recht gut stehen und in dieser Zeit TV sehen. Es
ist von 0 Minuten bis 45 Minuten möglich je nach dem wie
fit ein Körper ist. Immer mit kleinen Pausen dazwischen.
Auch die Rückenschmerzen sind dabei weniger geworden.
Stehen ist wichtig für den Kreislauf
und für die Darmaktivität.
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 | Was ist ein Freistehbarren?
Ein Freistehbarren
ist ein "Stehpult" mit
Sättelchen und Autogurten, welche mich mit einem Motor
in die Senkrechte zieht (siehe Foto).
Bis vor der Liorésalpumpen-OP: Ich stand zuerst da wie eine starre
Ente (Popo hinten raus). Es vergingen gute 10 Minuten,
bis der Muskeltonus (Spastik) nachliess, mein Kreislauf
dies vertrug und ich mich ganz langsam Schritt für
Schritt in die Stehposition ziehen lassen konnte. Manchmal
wurde es mir schlecht und ich musste mich dann zwischendurch mal
wieder runterlassen, Wasser trinken, gut durchatmen und dann
nochmals rauf. Die Spastik drückte mir leider oft den Atem
ab und ich konnte dann fast keinen Piep mehr von mir geben.
Mal geht es besser, mal schlechter.
2010: gar kein Vergleich mehr zu früher. Jetzt ziehe ich
mich rauf und mag auch mit Pausen gut eine Stunde stehen
oder mehr. Das braucht der Körper für die Durchblutung und
für die Darmaktivität. Zudem beruhigt es den
querschnittgelähmten Körper. Je mehr Pumpenleistung ich
habe, je schwerer fällt mir das Stehen und das Atmen. Ich
trainiere trotzdem jeden Tag, um den Trainingsfortschritt
nicht zu verlieren.
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 | Kannst Du mal wieder laufen eines Tages?
Nein, das ist nie mehr möglich. Das ist (war) auch kein Wunsch
von mir.
In der Klinik 2004/2005 konnte ich für ganz wenige
Wochen noch an einem guten Tag
4 Schritte am Barren mit meiner Spastik "laufen",
Schritt für Schritt. Die Therapeuten sagten dem aber nicht
gehen. Konnte mich als Probandin 2005 in den Lokomaten schnallen lassen
(30 kg abgenommen bekommen / 30 kg selber
"getragen", 1 km im Lokomaten laufen können.
Fähigkeit wegen starker Spastik schnell verloren.
Die Spastik ist leider nach den Klinikaufenthalten
sehr stark geworden und bestimmte meinen Tagesrhythmus.
Nicht mal Druck auf die Beine geben war teils mehr möglich.
Aber trotzdem. Bewegung im Allgemeinen: Die Aerzte meinten nach der Herbst 2006-ReREHA, dass Sie
sich schon sehr wunderten, was ich mit meiner schweren
Verletzung noch alles kann. Doch in der Reha 2006 mussten
wir das Lauftraining abbrechen, weil die Spastik die
Maschine abschaltete.
Das war noch VOR meiner
missglückten Rücken-OP. Danach ist die Spastik wieder noch
stärker geworden und ich konnte froh sein, dass ich noch
meine Uebungen am Freistehbarren machen konnte.
Nach der Liorésal-OP vom April 2010: Da der Muskeltonus mit
der Pumpe sehr stark reduziert wurde, werden die Muskeln
nicht angesprochen. Ich bin eher dankbar, dass meine Beine
lahm herunterhängen und meine Spastik mich meistens in Ruhe
lässt.
Laufen können ist KEIN WUNSCH VON MIR. Die Liorésalpumpe
hat mir soviel neue Lebensqualität gegeben, mir sind ganz
andere Wünsche erfüllt worden, die den Alltag betreffen.
Mein Wunsch ist keine Schmerzen haben müssen.
2016: Wenn ich stehe, habe ich weniger Schmerzen. Wenn ich mit
einem Exoskelett
gehen könnte, kann ich mir vorstellen, dass dies sehr
schmerzreduzierend sein könnte!
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 | Kannst Du Autofahren?
Ich hatte mir ein neues
Fahrzeug 2004 kaufen müssen, mein Subaru war mit 12 Jahren zu alt
für diesen teuren Umbau. Ich hatte mich wieder für einen
Subaru
Legacy entschieden. Dieser wurde von einer Spezialfirma, bei
mir von
Rotz aus Dussnang, auf meine Bedürfnisse umgebaut.
Es gibt verschiedene Fahrsysteme. Ich habe mich für den
stehenden Kombihebel, einem Carospeed, entschieden. Mit diesem Hebel gebe ich
Gas oder ich kann bremsen. Es ist ein Blinker dran, eine
Feststellbremse und das Fernlicht. Weiteres ist in so
einem Umbau drin, ein Fussraster, einen
Antispastikgurt, welcher meine Beine festhält, damit bei
einem Spastikanfall die Beine sich nicht ins Lenkrad
verklemmen, aufklappbare Pedalen für Gas und Bremse (wenn
ein Fussgänger mein Auto fahren muss), einen
Rollstuhleinzug, eine Teleskoptüre, damit ich den Rollstuhl
überhaupt verladen kann, hinten noch einen Teleskopkran um
schwere Gegenstände wie Swisstrac und Handbike verladen zu
können (den haben wir aber wieder ausgebaut, weil er sehr
viel Platz weggenommen hat und ich wegen meinem Rücken
nichts mehr selber verladen darf).
Vom Strassenverkehrsamt hatte ich die Auflage
erhalten, nur mit solch einem umgebauten Fahrzeug unterwegs
zu sein, alle anderen Kategorien wurden gestrichen. Alles
andere würde ja nicht gehen.
Ich kann aber nicht mehr selber ins Auto setzen oder raus.
Ich brauche Hilfe von meinem Partner. Seit dem umgebauten
Rollstuhl mit dem harten Rücken, kann ich diesen nicht mehr
zusammenlegen und selber ins Auto verladen. Diese Arbeit
muss mir Frank abnehmen.
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 | Gehst Du zur Arbeit / arbeiten von zu
hause aus?
Berentet. Seit 31.1.2011 kann ich nicht mehr arbeiten. Mein Arbeitgeber
AXA-Winterthur hat mich unterstützt wo er nur konnte.
Ich war seit Februar 2010 krankgeschrieben und schaffte es
einfach nicht mehr, mein tägliches Arbeitspensum zu
erreichen. Vom Gesetz her habe ich zwei Jahre
unfalltechnisch krankgeschrieben voll ausgeschöpft. Wir
haben uns dann geeinigt, dass ich ganz berentet werde.
Obwohl ich sehr gerne gearbeitet habe, die Leute mir ans
Herz gewachsen sind, bin ich heute sehr erleichtert, diesen
Druck nicht mehr zu haben. Ich war fast 28 Jahre in dieser
Firma (hiess früher Winterthur Leben bzw. Winterthur
Versicherungen). Fast die ganze Zeit war ich
Direktionssekretärin, was später IT-Assistent geheissen
hat. Die letzten drei Jahre war ich u.a. fürs Intranet
zuständig (neue Seiten bauen oder Anpassungen).
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 | Kannst Du wieder einmal Arbeiten gehen?
Nein, das wird leider nie mehr möglich sein. Zu
unberechenbar ist mein täglicher Zustand (das kann innert
10 Minuten ändern, wo ich ins Bett muss).
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 | Wie sieht so ein Tagesablauf bei Dir
aus?
Ich bin quasi mit einer 24 Stunden-Pflege von Frank
abhängig. Ich kann keinen Transfer mehr alleine machen. Hat er
Nachtwache, muss er mich um 21 Uhr ins Bett bringen. Kommt
er nach hause, Versorgung und allfällige Pflege, dann geht
er schlafen. Frank muss um 12 Uhr aufstehen und mich
pflegen, anziehen und aufnehmen. Dann verbringe ich den
Nachmittag zu hause mit Training, Motomed und Stehtraining.
An schönen Tagen draussen auf meiner
"Rollifahrstrecke" ums Haus herum. Sonnentanken auf der Terrasse,
ins Büro und vielleicht in den Bastelraum für kurze
Zeit. Zwischen 16 und 17 Uhr muss ich wieder ins Bett. Frank
nimmt mich gegen Abend noch einmal auf.
Ist Frank da, muss bis ca. 11.00 liegen und
Frank weckt mich eine Stunde vorher. Da ich schlecht schlafe, hab ich auch oft
einen ganz anderen Tagesablauf.
Duschen ist aufwändig und kraftraubend, das kann gut zwei
Stunden dauern von "auf den Duschrollstuhl" hieven
und bis ich wieder trocken angezogen auf meinem Rollstuhl sitze. Aber gut tut
es, ja! 4-5 Stunden am Nachmittag auf und dann wieder ins
Bett, meinen Popo und Rücken schonen.
Wenn wir weggehen ist
es sehr kompliziert mit dem Zeitmanagement. Ich muss nach
spätestens eben 4-5 Stunden wieder im Bett sein. Angefangen
mit "Zeit zählen" von in den Rolli sitzen, oben
anziehen, Zähneputzen, Motomed, Transfer ins Auto,
Rolliverladen, Termin, Transfer retour ins Auto, kurz Büro und dann eben wieder ins Bett...
Das ist sehr mühsam mit der "kurzen" Zeit, wo ich
auf sein kann.
Weggehen ist für uns immer ein Risiko, man weiss nie wie
fit ich bin schmerztechnisch gesehen. Bin ich unterwegs wird
es meist gegen Ende "Termin" schwierig. Frank
fährt mich dann meist nach hause. Hier im Haus kann ich
wenigstens innert 2 Minuten im Bett liegen.
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 | Kannst Du noch selber einen Transfer
machen?
Jein, das ist nur noch mit Hilfe von Frank (oder anderer
Hilfe) möglich. Aber wirklich nur noch ganz wenig Hilfe. Es ist schmerzhaft und gefährlich, wenn ich
selber murksen müsste. Mit unserer gemeinsamen Transfer-Technik geht es am
besten und ich weiss, dass mir so nicht zusätzlich was
passieren kann. Mein Rücken ist erst seit September 2014
verheilt. Er brauchte über 6 Jahre für die
Durchknöcherung. Aber Schmerzen hab ich trotzdem noch.
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 | Was ist ein Transfer?
Ein Transfer bedeutet, dass ich vom Rollstuhl mich ins Bett
"transferiere" (oder ins Auto). Ich kann dies nicht ohne Rutschbrett
machen.
So sollte ein guter Transfer aussehen:
Ich stelle bei meinem Rollstuhl die Füsse direkt auf die
Fussrasten. Dann stecke ich mir das Rutschbrett zwischen
Popo und Rollstuhl (der Rollstuhl ist schräg im
45-Gradwinkel aufgestellt). Dann versuche ich
Gewicht mit meinen Armen aufzunehmen, Frank greift mich an
die Poposeite und dann drück ich mich noch oben und
versuche dann vorsichtig und konzentriert rüberzurutschen.
Früher konnte ich die Fussrasten aufstellen, die Beine auf
den Boden stellen, die Knie als Drehpunkt nutzen. Oberkörper nach
vorne (Popo als Schwunghebel benutzen). Eine kurze Sekunde halten
und
schwupp in der Luft drehen bin ich am gewünschten Ort.
Seit meiner Liorésalpumpen-OP gehen die Transfers viel
besser und sicherer (die Spastik klemmt nicht mehr die Beine
nach hinten). Der Körper ist "lahm" und ich muss mit den
Armen viel mehr Kraft aufnehmen, damit ich nicht vom Brett
runterrutsche sondern da lande, wo ich hin will.
Heute muss mich Frank beim Transfer unterstützen. Es
belastet den Rücken weniger.
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 | Wie geht es Deinem Rücken?
Mein Querschnitt hab ich wegen meiner Quetschung in der
Halswirbelsäule im C6. Obwohl eine Entlastung operiert
worden ist, haben sich die Nerven nicht erholt. Sie bleiben
ihr Leben lang gequetscht. Im MRI (auch in den Kontroll-MRI,
all die Jahre danach), sieht man diesen gequetschten Kern.
Das Kontroll-MRI im September 2014 hat gezeigt, dass es
nicht schlimmer geworden ist.
Meine (falsch) operierte Lendenwirbelsäule ist zwar jetzt
durchknöchert, doch die Schrauben machen Probleme. Die
Schrauben sind lose, doch haben keine Funktion mehr sagen
die Spezialisten. Mal heisst es 1 Schraube los, mal heisst
es 7 Schrauben lose.
Doch die Schrauben haben keine Funktion mehr und somit ist
es soweit, dass ich wieder im Oktober 2014 leicht anfangen
konnte mit mehr Training. D.h. Stehtraining, damit endlich
meine starken Beinschmerzen reduziert werden. Wenn ich
Stehtraining mache geht es mir deutlich besser. Doch am
Morgen, wenn ich aufwache, habe ich viele Stunden kein
Stehtraining gemacht, dann habe ich mehr Probleme. Das
Stehtraining tut meinen Beinen sehr gut.
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 | Bekommst Du Medikamente?
Ja. Immer wieder gibt es Anpassungen.
Seit der Liorésalpumpe muss ich diese Muskelrelaxansmedikamente nicht
mehr oral
einnehmen. Das entlastet meinen Magen und habe weniger
Nebenwirkungen. Dafür hab ich andere Medis bekommen
wegen meiner vielen Schmerzen.
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 | Stimmt das, dass die Blase
nicht mehr richtig funktioniert beim Querschnittpatient?
Ja, leider ist das so, dass Blase und Darm meistens involviert
sind. Früher sind die Leute daran gestorben. Bei dem einen
gibt es mehr Probleme, beim anderen weniger. Das ist
total verschieden. Seit meinen Problemen mit der LWS-Rücken
OP spüre ich seit 2010 leider weder Blase
noch Darm.
Blase:
Seit meinem Rücken-Ärger Mai 2008, musste ich einen Dauerkatheter
tragen.
Seit 2012 hab ich eine Cystostomie (einen
Bauchdeckenkatheter) bekommen. Einen Schlauch
direkt durch die Bauchdecke in die Blase mit einem Ventil
zum Urin ablassen.
Urinieren kann ich nicht mehr von alleine, deshalb musste ich
katheterisieren.
2004 - 2008: ISK = Intermittierter
Selbstkatheterismus bedeutet; einen Katheter sich selbst in die Blase schieben).
2008 - 2011: meist Dauerkatheter getragen.
Das Katheterisieren ist mehr lästig als schmerzhaft. Dies machte ich
halbliegend auf dem
Bett mit Rücken gestützt. Beine versuchen locker
auseinander zu halten (Froschstellung mit den Beinen, damit
sich die Labien gut öffnen können.
Alle Utensilien müssen bereit liegen, bevor man
anfängt!
Absolut steril arbeiten!
- Spiegel davor stellen
- Grosszügig reinigen (Wasser genügt)
- danach desinfizieren
(mit Octenisept gut getränkte sterile Kompresse auf den Harnausgang
drücken/legen).
- Urinbeutel bereit legen und
- Katheter anstecken
-- ich benutzte den Lofric Primo 15cm am
liebsten
Mit dem Katheter
treffen und abwarten bis die Blase entleert ist. Meine Blase
fasste gut 500ml (teils mehr, war aber nicht gut). Besser
alle 300ml leeren! Urinbeutel
wieder leeren und gut auswaschen, mit kaltem Wasser. Kann mehrmals wiederverwendet
werden.
Katheter nicht - bitte entsorgen!
Mehr fachliche Info über ISK bei Wikipedia
/ Firma
Lofric (siehe Katheterisierung
Anleitung)
 |
 | Stimmt das, dass der Darm nicht mehr richtig
funktioniert beim Querschnittpatient?
Ist je nach Patient ganz verschieden. Von 2x am Tag oder
bis alle 4
Tage.
Der Darm meldet sich im Normalfall alle zwei Tage beim
Durchschnittspatienten.
In der Nacht ist es am Unangenehmsten, wenn es auf einmal zu
drücken anfängt.
Es gibt verschiedene Methoden der Darmentleerung:
Mit einem Zäpfchen
10 Minuten warten und dann entleert sich die Ampulle (Darmendstück)
von selber (wenn man Glück hat). Fitte Patienten
machen das über der Toilette.
Selber von Hand ausräumen (nach Zäpfchen)
Man sitzt auf dem WC oder Duschrolli über Toilette oder
Topf.
Oder man muss sich einen Vinyl-Handschuh (die dünnen Ärztehandschuhe) anziehen, Vaseline dran, und dann
nachgreifen und den Darm ausräumen bis die Ampulle leer
ist. Darmmassagen davor können gut tun (siehe unten). Das
ist nicht immer ganz einfach, es kann vorkommen, dass
später Nachzügler nachrutschen. Auch genug Geduld und Zeit
einrechnen.
Wer pressiert hat später den Ärger.
Darmentleerung mit Hilfe von Fachpflege
Man muss auf dem Bett liegen, Seitenlage.
Popo nach rechts bzw. auf die linke Seite liegen am besten, weil so der Darm liegt. Das ist die
allerschnellste Methode. Wenn ich gewusst hätte, wie
rasch und rückenschonend das geht, hätte ich schon
längstens umgestellt. Ich hab mich viel zu lange gequält
auf dem Topf und mit Bücken, das war viel zu rückenbelastend.
Peristeen-System und Darmmassagen
Eine Zeit lang hatte ich mit Hilfe vom Peristeen-System
von Coloplast abgeführt.
Das ist ein Rektalkatheter (Katheter mit Ballon) und ein
System mit warmen Wasser. Man spült sich das warme Wasser
in den Darm und löst so die Fäkalien raus. Beste
Erfahrungen hatte ich gemacht, wenn ich entweder zuerst kurz
ausräume (harte Bollen) oder direkt mit dem
Peristeen-System anfange. Und so den ersten Teil
herauslöse. Dann braucht es viel Geduld. Ich mache mir
danach Darmmassagen.
(vor 2011) Das geht so:
Ich streiche mit
der Hand auf Bauchnabelhöhe kreisrund gegen unten im
Uhrzeigersinn. Immer
wieder und dann auf der linken Seite runter (so liegt der
Darm). Dann wackelte ich wie ein Stehaufmännchen immer hin
und her. Abwechslungsweise wieder Darmmassagen und
wenn ich das Gefühl hatte, es "plagt" mich, dann
lehne ich mich ganz nach vorne und liege sozusagen mit dem
Oberkörper auf meinen Oberschenkeln (das gibt Druck auf den
Darm). Damit ich nicht vom WC falle, hatte ich für die
Füsse ein Böckchen. So waren die Knie etwas höher als der
WC-Rand und gingen so locker auseinander und ich kam ran. Gab
mir aber auch Sicherheit. Es brauchte wirklich viel
Geduld und Zeit (und hat meinen Rücken zusätzlich kaputt
gemacht!).
Es kommt meistens
nochmals soviel raus oder mehr wie in der ersten Phase. Der
Darm braucht eben seine Zeit, bis das Wasser/Darm die "Bollen"
nach unten befördert hat. Ich rechnete jeweils gut eine
Stunde dafür ein. Ein kleiner Trick noch, ich habe immer
eine schmale Taschenlampe griffbereit, so kann ich
kontrollieren, was "gegangen" ist auf dem
WC. Wer es nicht alleine kann/traut, braucht Hilfe
von einer vertrauten Person.
Die Firma Coloplast informiert über "Inkontinenz
verstehen". Weitere Infos.
Das Darmentleeren hasste ich früher am allermeisten an meiner
Querschnittlähmung.
Jetzt sind es die ewigen Schmerzen. Das ist wohl das Erste, welches
auch andere (aus unserer damaligen Gruppe) sich zurück wünschen BEVOR wir laufen können!
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 | Sexualität im Querschnitt
Die Sexualität passiert im Kopf. Das haben wir
in einem Kurs in Nottwil gelernt. Jeder Querschnittgelähmte
ist
verschieden. Manche spüren noch was, manche haben sogar
noch Orgasmen, andere spüren leider gar nichts mehr. Bei
der Frau hängt das auch damit zusammen, ob sie schon in der
Menopause ist oder nicht (sagt meine Frauenärztin, betrifft
auch Fussgängerinnen, ist halt ein Tabuthema). Männer haben grosse Probleme mit
der Erektion und Fruchtbarkeit. Die Frauen bleiben bis zur
hohen Lähmung fruchtbar, bis sie eben in die Menopause
kommen (ab 45 Jahren möglich im Normalfall).
Liebe
Wichtig ist
einfach, dass die Partner miteinander reden, sagen, wo sie
es gerne haben, wo sie noch was spüren, was eben gut tut.
Auch mit den Problemen vertraut machen, wie Inkontinenz
(vorher Urin ablassen). Allenfalls Unterlagen ins Bett legen. Es gibt so
viele Zärtlichkeiten, wo man austauschen kann. Kuscheln,
schmusen, streicheln ist auch wichtig. Und wenn man sehen
kann, wie gut ich meinem Partner tue, und er sich befriedigt
fühlen darf, ist das auch für den Querschnittgelähmten sehr
befriedigend.
Sich noch als Frau fühlen dürfen und wahrgenommen werden.
Der Partner muss lernen, seinen querschnittgelähmten
Partner zu lagern. Es müssen vielleicht andere neue
"Erogene Zonen" gefunden werden, zum Beispiel das
Ohr.
Gute Website gefunden habe ich zum Thema:
- Sexualität
im Querschnitt
- Eine
Anleitung
Lasst Euch durch Euren Querschnitt nicht behindern, sondern
findet ZUSAMMEN neue Wege zu Eurer Liebesbeziehung.
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 | Atemprobleme
Tetraplegiker haben oft Probleme mit der Atmung. Deshalb ist
es wichtig, dass auch Tetraplegiker Sport machen um ihre
Lungen zu trainieren. Gerade am Anfang der Reha war es sehr
hart. Ich musste mit einem Lungentrainingsgerät arbeiten um
wieder einigermassen Luft zu bekommen. Nase ausschnauben
macht sehr viel Mühe, weil kein richtiger Druck mehr
aufgebaut werden kann. In den letzten Jahren habe ich dies
verbessern können.

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